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Samstag, 15.10.2005

Lebensretter


Wie die meisten sicherlich wissen, arbeite ich im Rettungsdienst. Neben den alltäglichen Krankentransporten, werden häufig auch "Leben gerettet". Vielleicht hört sich das etwas überzogen an, denn oft sieht man die Erfolge nicht sofort...

Herzinfarktpatienten werden vor Ort prämedizinisch vorbehandelt und unter starken Schmerzmitteln schonend in die nächstgelegene geeignete Klinik transportiert.

Bei den "chirurgischen Patienten" verläuft es ähnlich - mittels speziellem Schienmaterial, Spezialtragen und weiterem rettungsdienstmedizinischen Material werden unsere "Kunden" möglichst schonend und schmerzfrei in eine passende Notaufnahme gebracht.

In der Klinik angekommen, werden die Patienten fachgerecht weiterversorgt und bis zu ihrer Genesung betreut. So kommt es, dass unser Patientenkontakt sich weitestgehend auf den eigentlichen Notfall beschränkt. Ab und zu gibt es im Nachhinein einige Dankesworte, was aber eher (leider) die Ausnahme ist.

Wie in meinem ersterlernten Beruf des Erziehers sieht man als "Betreuer" also erst später die Erfolge, was im Rettungsdienst somit ausgeschlossen ist (und ich meine nicht die Schmerzbekämpfung, die gelingt uns; auch nicht eine erfolgreiche Reanimation, sondern z.B. das neuerlernte Sprechen eines Apoplexpatienten oder das Laufen eines "Beinfrakturpatienten"...)

Anders verhielt es sich bei einem Einsatz auf einer Tankstelle. Laut Alarmierung war ausser des "Ersuchens durch Dritte/Unklares Notfallgeschehen" die Einsatzlage nicht bekannt. So fuhren meine Kollegin und ich mit dem Rettungswagen (RTW) zum Einsatzort. Kurze Zeit später dort eingetroffen kam uns der Patient schon entgegen. Ein blasser 35-40jähriger Mann stieg in unseren RTW. Die Anamnese ergab zunächst keine Auffälligkeiten, es gab keine bekannten Vorerkrankungen oder Allergien, keine Verletzung o.ä.

Bald schon erzählte uns der Patient von seinem heute geborenen Kind - seit Tagen (und Nächten) hätte der frischgebackene Vater nicht richtig geschlafen, getrunken oder gegessen...

Als ich ihn nach dem Geschlecht seines Neugeborenen fragte, antwortete er: "Wir haben heute einen.........." In diesem Moment starrten meine Kollegin und ich gleichzeitig auf das EKG und erschraken - das Gerät zeigte ein Kammerflimmern an. Noch während meine Kollegin "Mach `was!" schrie, schlug ich mit voller Wucht auf den Brustkorb des Mannes (das nennt man übrigens "Präkordialen Faustschlag"), woraufhin dieser mitten im Text fortfuhr: "......Sohn bekommen und sind sehr glücklich."

Etwas ungläubig schauten meine Kollegin und ich uns an, sicherheitshalber wurde ein Notarzt nachgefordert...

Diesem Patienten haben wir erfolgreich und für uns ersichtlich das Leben gerettet! (Ein Todestag des Vaters am Geburtstag des Sohnes wäre zudem wirklich nicht gerade schön gewesen...)


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